25jähriges Jubiläum 1982

Mathematikunterricht
Was soll und kann er bringen -was bringt er wirklich?

von Edda Eich, Karsten Hoffmann (Jahrgang 13)

Den Abiturienten werden, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten betreffend, verschiedene Vorwürfe gemacht: Die Universitäten beklagen u. a. die schlechten mathematischen Sachkenntnisse und die mangelnde Denkfähigkeit der Studienanfänger, während Firmenleitungen und Ausbildungsbetriebe berichten, dass einfache und praxisorientierte mathematische Probleme von den Auszubildenden oft nicht ohne weiteres gelöst werden können. Dies zeigt sich z. B. bei Einstellungstests, wo es dann u. a. gilt, einfache Dreisatzaufgaben oder Prozentaufgaben zu lösen. Die Bewerber können zwar Differentiale und Integrale bestimmen und wissen, was man unter Gruppen, Körpern und Vektorräumen versteht, aber grundlegende Kenntnisse, wie z. B. Lösungen von Dreisatzaufgaben, haben sie nicht parat. Das heißt aber nicht, dass sie solche einfachen Grundaufgaben nicht gelernt haben, sondern dass sie diese einfach vergessen haben. Wir fragen uns nun, woran das liegt.

Da ist zuerst einmal der Taschenrechner. Sicher ist er in der Oberstufe ein unentbehrliches Hilfsmittel, ohne das der jetzige Mathematik-, Physik- und Chemieunterricht kaum noch durchzuführen wäre, aber in den unteren Klassen führt der all zu frühe Einsatz von Rechnern häufig dazu, dass die Schüler schon nach kurzer Zeit einfach vergessen, wie man z. B. schriftlich dividiert. (Der Druck auf die Rechnertasten ist ja auch viel bequemer - auch dann, wenn er unter Umständen etwas länger dauert -, als eigene Denkprozesse in Gang zu setzen.)

Bei einer großen Anzahl von Schülern kommt oft noch hinzu, dass sie zwar dem momentanen Unterricht folgen können, aber dass ihnen doch der große Zusammenhang fehlt. Durch diesen fehlenden Überblick wird ihnen auch die praktische Bedeutung nicht klar(gemacht?). So rechnen sie oft nur nach einem sturen Schema, ohne weiterzudenken, und können deshalb das Gelernte nicht auf ein anderes Sachgebiet übertragen. Außerdem verlieren viele Schüler dadurch schnell das Interesse an der Mathematik und auf Grund der mangelnden Einsatzbereitschaft der Schüler - manchmal auch die Lehrer.

Da der Mathematikunterricht den Schülern einerseits grundlegende mathematische Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln soll, andererseits aber - vor allem in der Oberstufe -vorrangig logisches Denken, Abstraktionsvermögen, Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erkennen, fördern und entwickeln soll, werden den Schülern der Oberstufe Aufgaben gestellt, an denen diese Fähigkeiten in besonderem Maße gefördert werden können. Infolgedessen werden früher erworbene Kenntnisse zugedeckt, und dieser Zustand scheint uns nicht optimal zu sein. Vielleicht könnte man etwas gegen das schnelle Vergessen vom "alten" Stoff tun, wenn eine Stunde im Monat dazu benutzt würde, das vor längerer Zeit Gelernte wieder aufzufrischen. Einfacher wäre diese Wiederholung sicherlich, wenn sich jeder Schüler selbst einmal hinsetzen würde, um das schon wieder Vergessene aufzuarbeiten, aber wer tut das schon?

zur nächsten Seite

zur Übersicht 25jähriges Jubiläum 1982


[ Home | Menschen | Spuren |Kontakt | Impressum ]